Napoléon wird am 15. August 1769 als Sohn einer adeligen Familie auf Korsika, das unter französischer Besatzung steht, geboren. Er ist ein intelligenter Schüler und wird im Geist der
Aufklärung erzogen. Nach seinem Examen 1785 an der Militärschule von Paris macht er schnell Karriere und wird schließlich 1795 zum Garnisonskommandant von Paris ernannt. Im Auftrag des Konvents schlägt er einen royalistischen Aufstand in Paris nieder und wird mit 26 Jahren kommandierender General der Heimatarmee. Obwohl er jung und schmächtig ist, beeindruckt er durch seine Bildung, Intelligenz und sein wortgewandtes Auftreten. 1796 heiratet er die frisch verwitwete Josephine de Beauharnais. Mittlerweile auch Oberbefehlshaber der italienischen Armee, unternimmt er 1798 einen Feldzug nach Ägypten, der England schwächen soll, unterliegt jedoch der Armee Nelsons. Der als unbesiegbar geltende Napoléon spürt die Kritik seiner politischen Feinde und nutzt die unruhige politische Lage, um sich durch einen Staatsstreich an die Macht zu putschen. 1799 wird er zum Konsul auf 10 Jahre und alleinigen Machthaber. Er organisiert Frankreich streng zentralistisch, reformiert das Justiz- und Bildungswesen und verfasst den „Code civil“, eine grundlegende Gesetzessammlung, die noch heute in vielen europäischen Ländern von Bedeutung ist. Nach dem Friedensschluss mit Österreich 1801 und England 1802 hat Frankreich wieder Frieden und ist größer als zu Zeiten Ludwig XIV. Napoleon lässt sich durch Plebiszit zum Konsul auf Lebenszeit wählen. 1804 krönt er sich selbst als Napoleon I. zum Kaiser der Franzosen. Sein Anspruch auf Hegemonie in Europa und seine weltpolitischen Pläne führen seit 1803 zu immer neuen Kriegen mit den europäischen Mächten (Napoleonische Kriege). Er beweist sich als geschickter und siegreicher Feldherr und setzt seine Verwandten und Vertrauten als Könige und Fürsten der eroberten Länder ein. 1809 lässt er sich von Josephine scheiden, da sie ihm keinen Nachfolger geschenkt hatte. Der charismatische Napoléon hat zahlreiche Affären, aus denen mehrere Kinder hervorgehen. 1810 heiratet er aus politischen Gründen Marie-Louise von Habsburg, mit der er einen Sohn hat. Der Russlandfeldzug 1812 wird zum Desaster und Wendepunkt in der Napoleonischen Herrschaft. 1813 verbünden sich die Monarchien Europas gegen ihn, Frankreich wird vernichtend geschlagen und Paris 1814 von den Verbündeten besetzt. Napoléon muss abdanken und wird auf die Insel Elba verbannt. 1815 kehrt er mit einer kleinen Armee zurück und erobert Paris. Es beginnt die Herrschaft der 100 Tage, bis er sich schließlich bei Waterloo endgültig geschlagen geben muss und auf die Insel St. Helena verbannt wird. Hier diktiert er seine Memoiren und stirbt 1821 neueren Forschungen zufolge an Magenkrebs. Durch seine Reformen in Verwaltung und Justiz und mit dem „Code civil“ beeinflusste Napoleon Europa nachhaltig. Sein Streben nach französischer Vorherrschaft in Europa förderte in der europäischen Reaktion die Entstehung des Nationalgedankens.